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Unterwegs trafen sich die Könige, und gemeinsam
setzten sie ihre Reise fort. Jeder von ihnen hatte
ein Geschenk, das er dem Kind zu Füssen legen
wollte. Sie waaren so die ersten Menschen, die zur
Geburt Christi Gaben überreichten.
Dies gefiel dem Christkind so gut, dass es
beschloss, auch anderen Kindern eine Freude zu
bereiten. Immer zu seinem Geburtstag, dem
Weihnachtsfest, kam das Christkind und beschenkte
alle Kinder dieser Erde.
Da die Welt aber so gross ist und viele Kinder
beschenkt werden mussten, war die Aufgabe für das
Christkind allein zu gross. Es bat daher die drei
Könige, ihm zu helfen und die Kinder in ihren
Ländern zu bescheren.Die Könige halfen dem
Christkind von Herzen gern und machten sich sofort
auf den Weg. Nun mussten sie aber, um die Kinder
in ihren Ländern besuchen zu können, durch weite,
heisse Wüsten wandern, die voller Gefahren
steckten. Mit grossen Kamelkarawanen durchquerten
sie das ganze Morgenland und verteilten die Gaben
an die Kinder. Nach getaner Arbeit sassen die drei
Könige müde, aber zufrieden, mitten in der Wüste
um ein grosses Feuer und ruhten sich aus.
"
Nun haben wir es endlich geschafft und alle Kinder
rechtzeitig beschenkt " sagte König Kaspar. " Ja!
" antwortete König Melchior, " das Christkind kann
mit uns zufrieden sein !"
Nur König Balthasar hatte stumm zugehört. Seine
Stirn zeigte tiefe Sorgenfalten.
" Was bedrückt dich, woran denkst du ?" fragte
König Kaspar.
" Ich glaube, nein, ich weiss es ", erwiderte
König Balthasar: " Wir haben einen grossen Fehler
gemacht !" und dabei seufzte er tief auf.
" Welchen Fehler ?" fragten beide Könige wie aus
einem Mund.
" Ist euch nicht aufgefallen, dass wir noch
Geschenke übrig haben ? Ein Land haben wir
vergessen, und die Kinder dort werden jetzt ganz
traurig sein. Was wird das Christkind von uns
denken, und was können wir jetzt noch tun ?"
Die Könige Kaspar und Melchior hetten mit
zunehmenden Entsetzen den Worten König Balthasar
gelauscht. Mit leiser Stimme wollten sie wissen: "
Welches Land haben wir denn vergessen ?" Ehe König
Balthasar antwortete, legte er getrockneten
Kamelmist auf das niedergebrannte Feuer, so dass
es wieder hell aufflackerte. Die tanzenden Flammen
warfen lange Schatten in die dunkle, kalte
Wüstennacht. Er hüllte sich noch fester in seinen
Burnus, den weiten, weissen Umhang, sah seine
Gegenüber an und sagte: " Spanien, die Insel
Mallorca und die anderen Inseln, die zu Spanien
gehören !"
"
Oh jeh ! Spanien haben wir tatsächlich vergessen.
Die armen, armen Kinder !" riefen die Könige
Kaspar und Melchior.Die drei Könoge waren
verzweifelt und ratlos. Sie überlegten hin und her
- her und hin, aber immer kamen sie zu dem
gleichen Ergebniss. Die Zeit reichte nicht mehr
bis zum Heiligen Abend. Und doch mussten die
Kinder beschert werden.
König Balthasar stand als erster vom Feuer auf und
riet, sofort aufzubrechen. Sie begaben sich zu
ihren Kamelen, wo die Treiber letzte Hand an die
Lasten legten, die aus den restlichen Geschenken
bestanden. Im Trab setzte sich die Karawane in
Bewegung. Ihr Ziel war die Meeresküste. Dort
hofften die Könige genügend Schiffe zu bekommen,
um nach Spanien überzusetzen.
Der heilige Abend.
Wie überall, so auch in Spanien, hatten sich die
Menschen in den Kirchen versammelt, um die Geburt
Christi zu feiern. Nur die Kinder blieben zu
Hause. Sie lagen in ihren Betten und träumten von
den herrlichen Sachen, die sie am anderen Tag
vorfinden würden.
Doch die Entäuschung am Morgen des 1.
Weihnachtstages war riesengross. Keine Geschenke,
nicht das kleinste Holzeselchen stand auf oder
unter dem Tisch. Nichts!
Die Kinder weinten und die Erwachsenen machten
ratlose Gesichter. Hatte das Christkind sie
vergessen? Auch am 2. Weihnachtstag und an den
folgenden Tagen änderte sich nichts. Die Menschen
gingen in die Kirche und beteten. Überall in
Spanien herrschte Trauer.
So
auch auf der Mittelmeerinsel Mallorca. Doch da
hatte der Alcalde des Fischerdorfes Cala Ratjada
eine Idee. Der heilige Antonio half doch in allen
Lebenslagen. Warum sollten sie ihn jetzt nicht
bitten, den Kindern zu helfen? Der Alcalde
versammelte alle Männer des Dorfes um sich, und
bat sie, in allen Strassen, Gassen und auf den
Plätzen grosse Holzfeuer anzuzünden. Damit sollte
dem Christkindl der Weg gewiesen werden.
Gleichzeitig würde der Heilige Antonio sehen, dass
die Menschen, vor allen die Kinder, in Spanien in
grossen Nöten waren. Während die Feuer brannten,
flehten alle Einwohner von Cala Ratjada den
Heiligen Antonio an, ihnen zu helfen.
Das Wunder geschah! Der Heilige Antonio lies sich
nicht lange bitten und half den Menschen in ganz
Spanien, die auf das Christkind warteten.
Am
5.Januar sah man zwei alte Fischer ganz aufgeregt
in den Ort laufen. Schon von weitem hörte man sie
rufen: " Es kommen Schiffe, so viel, wie ihr noch
nie gesehen habt! Kommt alle mit und seht!"
Bald standen alle Einwohner von Cala Ratjada,
voran die Kinder, im Hafen und sahen, wie ein
Schiff nach dem anderen festmachte. Eine grosse
Anzahl von Schiffen kreuzte noch draussen auf dem
Meer, den der Hafen war zu klein, um allen Platz
zu bieten.
Da verliessen die Heiligen Drei Könige, die Helfer
des Christkindes, das erste Schiff. Sie verteilten
die verspäteten Weihnachtsgeschenke. Unter den
Menschen brach ein unbeschreiblicher Jubel aus.
Sie umarmten und küssten sich vor Freude.
In zwei Tagen, am 5. und 6. Januar, schafften es
die drei Könige, alle Kinder in Spanien zu
bescheren. Seitdem werden dort die Kinder, bis zum
heutigen Tag, zu dieser Zeit beschenkt.
Aber auch die Hilfe des Heiligen Antonio vergassen
die Menschen nicht. Jedes Jahr, am Vortag zu
seinem Namenstag, am 17.Januar, zünden sie in
allen Strassen, Gassen und auf allen Plätzen
grosse Holzfeuer an und tanzen bis zum frühen
Morgen.
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