|
Historisches
In der Gemeinde sind 41 Fundstellen aus der
Vorzeit dokumentiert.
Aus der prätalayotischen Epoche ( 2000 - 1400 v
Chr. ) stammen die künstlichen Höhlen von Son
Jaumell und die schiffsförmigen Wohnstätten des
Torre de Canyamel, die jeweils Wohn- und
Begräbnisswelt repräsentieren.
Aus der talayotischen Zeit ( 1400 - 123 v Chr. )
verbleibt eine Reihe von Siedlungen namens Sos
Sastres, Son Barbassa etc. Besonders bekannt ist
die Fundstätte Son Favar, da man dort zwischen
1941 und 1945 vier kleine Bronzestatuen ( V-II v
Chr.) gefunden hat. Die Statuen stellen nackte
Krieger, bewaffnet und in Kriegshaltung dar, wobei
es sich um die berühmten mallorquinischen
Steinschleuderer handeln könnte.
Die archäologischen Funde aus der römischen
Herrschaft ( 123 v. Chr - 465 n.Chr. ) sind zwar
gering, aber alles deutet auf eine fortwährende
Bevólkerung der Talayots durch die Einwohner und
Kolonisatoren hin. Auch aus der Zeit der Vandalen
und der Byzantiner verblieben nur wenige
Überreste.Während der Herrschaft der Muselmanen (
902 -1229 ) wurden die vorgenannten Gebiete mit
Artà und Son Servera unter dem Namen " Yartan "
zusammengefasst und bildeten einen der 12
Distrikte der Insel. Aus dieser Zeit sind einige
Ortsnamen wie Benifela und Mesquida und diverse
archäologische Fundstátten überliefert. Ebenso
betrachtet man den Torre de Miquel Nunis und den
torre de Canyamel als islamische Bauwerke.
Im Jahre 1229 ereignete sich die Eroberung
Mallorcas durch König Jaume I, welcher der Insel
die heutige Sprache und Kultur brachte. Aus dieser
Zeit stammt das erste schriftliche Dokument, indem
Capdepera erscheint; es handelt sich hierbei um
die Chronik des Königs Jaume I " Llibre dels Feits
" und bezieht sich auf die Kapitulation Menorcas
im Jahre 1232. In jenem Jahr unterzeichnete man
den Pakt von Cap de la Pera, wodurch Menorca zwar
seine Unabhängigkeit behielt, steuerlich aber dem
König von Katalonien und Aragón unterlag. Bei der
späteren Teilung fiel dem König der gesamte
islamische Distrikt " Yartan " zu. Die nördliche
Hälfte Capdeperas übergab er der Familie Numis und
die südliche der Familie Montsó.
König Jaume II befahl im Jahr 1300 den Bau eines
befestigten Zentrums, um die verstreute
Bevölkerung zu sammeln und vor Piratenangriffen zu
schützen. Während des gesamten 14. Jahrhunderts
errichtete man in der Nähe des Turms Nunis
Stadtmauern, eine kleine Kirche und die ersten
Häuser des Ortes. Aufgrund räumlicher Probleme
kehrte aber ein Teil der Bevölkerung in die alten
Unterkünfte zurück oder siedelte sich ausserhalb
der Stadtmauern an. Auf diese Weise bildete sich
ein neuer Stadtteil, plaziert im heutigen
Stadtteil Raval.
Obwohl der Ort bereits 1328 um Eigenständigkeit
bat, wurde er dem Rathaus von Artà unterstellt.
Erst im 19. Jahrhundert erreichte man die
Einführung des Vizebürgermeisteramtes und die
Repräsentation im Rathaus.
Zur Verteidigung des Küstenstreifens errichtete
man Wachpunkte, wo dann später Türme erbaut
wurden. Bis zum 16. Jahrhundert záhlte man sechs:
Son Jaumell, Esbucada, Sa Torre Cega, Font de sa
Cala, und zwei am Kap Vermell.
Vielfälltig sind die Legenden um die
Pirateneinfälle, aber keine ist so beeindruckend,
wie die um die Rettung Capdeperas durch die
heilige Jungfrau des Kastells: Bei einem
Piratenangriff holte man das Standbild der
Jungfrau aus der Kirche und plazierte es auf dem
höchsten Turm. Augenblicklich legte sich dichter
Nebel über den Ort, der den Feind vertrieb. Seit
dieser Zeit ist die Kapelle der Jungfrau der
Hoffnung ( Nuestra Señora de la Esperanza )
geweiht.
Aufgrund der Schwierigkeiten, die
Überlandtransporte verursachten, wurden Cala
Rajada und Canyamel als Häfen zum Transport von
Handelsgütern eingerichtet.
Mitte des 19. Jahrhunderts zählte man in Capdepera
233 Häuser, 25 davon im Innern der Burg, wo sich
auch das Haus des Gouverneurs und die Kaserne der
berittenen Soldaten befand.
Dieses Jahrhundert war das Jahrhundert der
Unabhängigkeit und der Begründung einer
eigenständigen Gemeinde. Möglich war dies dank des
neuen Regierungssystems, eingeführt durch die
Konstitution von 1812. Allerdings unterlag die
Emanzipation der neuen Gemeinden den jeweils
dominierenden politischen Parteien. Während der
Regierungszeit der Liberalen ( 1813, 1820, 1837 )
kam man in den Genuss einer autonomen Verwaltung,
aber sobald die Absolutisten die Macht
zurückerlangten ( 1814. 1823 ), wurden die neuen
Rathäuser abgeschafft. Dadurch wurde die
defenitive Eigenständigkeit der Gemeinde nicht vor
1858 erreicht.
Unterdessen brach im Jahre 1820 auf der gesamten
Halbinsel Llevant die Pest aus. Capdepera war zwar
die am wenigsten betroffene Gemeinde, verzeichnete
aber trotzdem 120 Todesfälle.
1840 segnete man die im unteren Teil angesiedelte
neue Kirche und widmete sie dem heiligen
Bartolomeus; bis 1913 wurde allerdings keine
Pfarrei eingerichtet.
Im Jahre 1878 gründete Bartomeu Alou eine
evangelische Gemeinschaft und eine Vorschule. Dank
des Einsatzes für die weniger bevorzugte
Bevölkerungsschicht sicherte sich der
Protestantismus in dieser Zeit einen gewissen
Einfluss und auch heute noch gibt es in der Calle
Sant Pere eine kleine protestantische Kirche.
Die Fertigung von Korbflechtereien aus
Palmblättern wurde zur Hauptertragsquelle der
Bevölkerung. Die zunehmende Lösung der Tagelöhner
von den Feudalherren, ermutigt durch die
Protestanten, liess unterschiedliche politische
Anschauungen aufkommen und der stándig wachsende
Interessenskonflikt eskalierte während der Zeit
der Spanischen Republik in einen Bürgerkrieg und
anschliessend in die Diktatur. Aber auch die
konnte den Protestantismus und die progressiven
Ideen nicht eliminieren und bei den ersten
demokratischen Wahlen 1979 erhielt die
sozialisteische Partei das Bürgermeisteramt.
Seitdem wechselt die politische Macht ständig von
rechts nach links.
Der touristische Boom der sechziger Jahre und die
massive Einwanderung seitens des Festlandes und
Europas hatten eine Wende im Leben der Gemeinde
zur Folge; man lebte nicht mehr ausschliesslich
von der Landwirtschaft und der herstellung von
Korbwaren, sondern entwickelte sich zu einem der
Haupttouristikzentren der Insel.
|